1. Februar 2017

10. Januar 2016

Am Wegesrand

Vor vielen Jahren war es eine schwarze schöne Leica Minilux, die ich immer bei mir, meist in der Zwischenkonsole meines Wagens liegen hatte. Mit ihr machte ich häufig Bilder sogar aus dem fahrenden Fahrzeug, wenn ich etwas sah, an dem ich nicht tatenlos vorüberziehen konnte. 
Schon seit geraumer Zeit habe ich sie nicht mehr, oft habe ich sie vermisst. Mittlerweile fehlt sie mir kaum noch; denn sie ist vom iPhone abgelöst worden. Das liegt vornehmlich daran, da man sein Phone ohnehin immer dabei hat. Es gibt keinen Spaziergang, bei dem ich nicht auch Bilder mache. Es gehört zu mir, auch wenn meine Liebste darüber nicht immer nur glücklich ist; denn die kürzesten Spaziergänge verzögern sich merklich. 
Meine Schnappschüsse teile ich mit Instagram - und jetzt zum ersten Mal (?) auch einmal hier. Es ist nichts, was qualitativ vergleichbar wäre mit dem, was ich mit meiner Messsucher-Kamera einfange; aber dennoch macht es mir Freude - und das schon seit einiger Zeit. 

17. März 2015

Winter ade

Irgendwie ist es schön, dass der Frühling seine Boten schon schickt, wenn auch noch fast kaum erkennbar. Schön, dass uns wieder mehr Licht erreicht; es ist erstaunlich, was das mit einer Seele tun kann... Gleichsam war dieser Winter für mich gar nicht vorhanden. Wenig bis kein Schnee - für einen gebürtigen Vor-Harzer schon eine leichte Enttäuschung. Wenngleich dies ja auch die täglichen Fahrten sicherer gemacht hat. Dennoch hat mir einfach Schnee gefehlt. Er fehlt, der Winter, der nicht kam. 
Aber jetzt will (man) ich ihn auch nicht. Doch: was will ich eigentlich sagen? 
Nun, es ist viel Zeit vergangen, in denen ich hier nur schwieg. So mag ich zwar Besserung geloben, aber auch dazu sagen, dass sich im Laufe der Jahre etwas gewandelt hat. 
Es wandelt sich alles. Es wandelt sich der scheinbare Winter in einen Frühling. Es wandelt sich das Blog eines Fotografen in das eines Fotografen, der mehr mit dem Wort Gottes umgeht als mit der Kamera. 
Dennoch: ich bin geblieben, der ich war und habe mich gleichsam verwandelt. Vielmehr wurde oder werde ich hoffentlich weiter innerlich verwandelt. 
Mein Leben hat im Laufe all der Jahre ein Zentrum bekommen, um das sich alles in mir kreist, dreht. Dieses Zentrum ist Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. 
So höre ich zwar immer noch auf mein Herz, aber ich höre vornehmlich auf das, was dieser Christus mir sagt. Nie zuvor ist mir etwas Besseres geschehen als genau das. Und dabei geht es nicht um ganz besondere oder gar immer nur um existenzielle Fragen, darum selbstverständlich auch. Es geht auch darum, dass ich mich in allen Dingen von Ihm leiten und führen lassen. Und das bedeutet vor allem anderen, dass ich mich von der Liebe bestimmen lassen. 
Wir werden sehen, wohin mich auch der Weg an dieser Stelle führen wird. Auch da bin ich gespannt. Und grüße alle, die mich viele Jahre begleitet haben. 

20. Juni 2014

Unklare Wege



Wenn ich meine Brille absetze, dann ist keine Klarsicht mehr. In irgendeiner Art kann ich mich fortbewegen, kann mich einigermaßen orientieren, aber es gibt kein sicheres Fortbewegen mehr. Die Anstrengungen gelten nur noch dem Wie des Vorwärtskommens. Zu sehen aber, was wirklich ist, was mich umgibt, wo ich mich aufhalte ist nicht mehr möglich. Das Äußere kann zudem nichts mehr mit meinem Inneren machen. Es ist ein Hangeln, ein Retten, kein natürliches Bewegen mehr möglich. 
Viele Jahre, ja Jahrzehnte war dies so in meinem Leben. Zu wenig sah ich klar - nein, eigentlich sah ich nicht klar. Ich lebte, und ich fürchte, dass dies eher einem Vegetieren gleich kam. 
So wusste ich nicht, dass ich einen Halt brauchte. Wusste nicht, dass ich geführt werden sollte. Wusste nicht, dass es einen Weg für mich gibt, der vorgezeichnet ist. Wusste nicht, dass dieses Vorzeichnen auch Freiheit für mich bedeuten sollte. 
So war ich wie blind. Bis ich an einem Tag - und ich werde diesen Moment nie mehr vergessen - noch einmal die Bibel aufschlug. Obwohl ich doch immer dachte: das ist rückwärtsgerichtet, von Vorgestern, was soll mir das jetzt noch sagen können..
Da fand ich Antworten. Ausgerechnet da fand ich Antworten auf Fragen, die ich mich kaum noch zu stellen wagte; da ich ohnehin keine Antworten mehr erwartete. Ich kannte, wie Hiob es einmal nannte, diesen Gott nur vom Hören-sagen. Dann aber konnte ich ihn sehen. 
Und spreche nun seit Jahren das nach, was ein Lieddichter einmal so beschrieb: »Aber nun bleibe ich für immer bei dir, und du hast mich bei meiner rechten Hand gefasst.« (Psalm 73,23 nach der NGÜ)

19. März 2014

Mein Zufluchtsort

Haben wir in einer Zeit, in der alles öffentlich zu werden scheint, in der es keine Geheimnisse mehr zu geben hat, auch noch Rückzugsmöglichkeiten? So lange ist es noch nicht her, dass man auch ohne ein Konto leben konnte, dies ist heutzutage nahezu unmöglich. Wird es noch lange dauern, bis wir uns auch den Neuen Medien nicht mehr entziehen können? Wieviel Privatsphäre gesteht mir diese Zeit noch zu, wo darf ich noch unbeobachtet sein, wo darf ich nur für mich sein und muss mich nicht darum sorgen, ob Bilder, Worte von mir mich nicht doch an einer Stelle einholen, mit der ich kaum rechnen konnte? Seit Jahren schon mache ich mich in meinem Blog öffentlich, zeichne ich auch mit meinem Namen in der Wirklichkeit das ab, was man beispielhaft hier gerade lesen kann. 
Vor inzwischen doch einigen Jahren zerbrach ein Stück meines Lebens. Beruflich, privat, innerlich wie äußerlich. Niemals werde ich den Moment vergessen, in dem ich mich wieder vor einem unübersehbar großen Scherbenhaufen wieder fand. Nie werde ich vergessen, wie ich mich fragte: Woher kommt mir Hilfe, woher Trost? Und ich am Morgen erwachte, auf dem uralten Holztisch in meinem Atelier die Bibel liegen sah und sie irgendwo aufschlug. Dort las ich: »Der Herr ist mein Fels, meine Festung und mein Befreier. Mein Gott ist meine Zuflucht, mein Schild und mein starker Retter, meine Burg in sicherer Höhe.« (Psalm 18, NGÜ)
Diese Worte waren mir Trost wie nichts und niemand jemals zuvor. Und ich erlebte, dass mein Gott meine Zuflucht war, meine Burg in sicherer Höhe. In einem Lied heißt es: Du bist mein Zufluchtsort.. Es ist das, was ich erfahren durfte. Der Beginn des 18. Psalms ist bis zum heutigen Tag selbst auch ein Zufluchtsort für mich geblieben. 


12. Januar 2014

Mensch, Gott

Achtung! Die Sendung ist auf der Homepage des ERF nicht mehr zu sehen. Die Gesprächsbeiträge finden Sie hier: Die Tür


BeitragLink zur Sendung von Mensch, Gotthttp://www.dietuer.eu.


16. Dezember 2013

Weiter Raum

In Momenten des besonderen Segens warten viele Menschen auf eine Wende. Nicht dass sie die Wende in das Gegenteil herbeisehnen würden; aber sie ahnen, dass den guten und gesegneten Tagen und Stunden Talfahrt folgen wird. Es ist beinahe wie ein Muss, wie etwas, das unabwendbar scheint. 
An Tagen der besonderen Nähe zu Gott, auch nach Stunden der Nähe einer Gemeinde mit Gott folgt oft, sehr oft die Anfechtung, folgen Angriffe, die uns nehmen wollen, was uns geschenkt worden ist. 
Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer folgenden denkwürdigen Nebensatz: »..wir freuen uns auch über die Nöte, die wir jetzt durchmachen.« (NGÜ)
Frei nach Luther ist die größte Anfechtung eines Christenmenschen, keine Anfechtung zu haben. Und an anderer Stelle sagt er dem Sinn nach, dass wir Christus ohne Anfechtung nicht haben können. 
Es ist so. 
Und auch wenn der Ankläger, der Widersacher, der Teufel inzwischen immer öfter geleugnet wird, so erleben wir genau diesen in solchen Momenten. Und ich halte es für äußerst gefährlich, den Satan zu leugnen; denn dann hat er ganz leichte Sache mit uns. 
Am gestrigen Sonntag erlebte ich einen wunderbar gesegneten Tag in meiner Gemeinde. Nicht nur im Gottesdienst, sondern auch in der anschließenden Weihnachtsfeier am Nachmittag. 
Schon am Abend erlebte ich die Wende. Und auch noch im Laufe des heutigen Tages waren die Anfechtungen groß. Bis ich mich irgendwann erinnerte - und mir klar wurde, warum es wohl so kommen musste. 
Nicht alles sind Anfechtungen, nicht immer dürfen wir alles in diese Richtung schieben; aber je näher wir Jesus kommen desto mehr werden wir auch angegriffen. Das müssen wir wissen. 
Der Psalmist weiß davon wunderbare Worte zu singen. In Psalm 31,8 dürfen wir lesen: 
Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not
und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum. 

4. November 2013

Weiterentwicklungen

Ich liebe Nachtbilder oder Bilder, die am späten Abend aufgenommen wurden, wenn die Technik es hergibt. Inzwischen kann dies sogar die Taschen-Leica von Apple recht gut. Und auch die Schwarz-Weiß-Konvertierung kann sich sehen lassen.
Vor vielen Jahren, als mein Leben sich in einem erneuten Umbruch wiederfand, war so ein kleiner (oder auch großer) Wunsch, eines Tages mit einem alten Benz und einer Leica auf dem Beifahrersitz auf Bildersuche zu gehen. Jahre später erinnerte ich mich daran und durfte feststellen, dass es auch materielle Wünsche gibt, die manchmal in Erfüllung gehen dürfen. Der Benz ist auf dem Wege zur H-Zulassung (wenn es auch noch neun Jahre Geduld zu beweisen gilt), eine Leica liegt zuweilen auf dem Beifahrer-Sitz, wenngleich mir meine lebendige Beifahrerin lieber ist.
So muss denn manchmal das Smartphone reichen, - und es reicht zumindest, um nicht ohne Beute zurückkehren zu müssen.

3. Oktober 2013

»Hof mit Himmel«, ERF 1, 4. Oktober, 20:15 Uhr

Erstausstrahlung »Hof mit Himmel« am Freitag um 20:15 Uhr

Die Sendung »Zurück zu Gott« ist bereits online zu sehen:
Zurück zu Gott, Hof mit Himmel

Achtung! Aus rechtlichen Gründen ist die Sendung auf der Homepage des ERF nicht mehr zu sehen. Die Gesprächsbeiträge hingegen sind hier zu sehen: Die Tür

12. Juli 2013

Das Meer der Barmherzigkeit

Als Vierzehnjähriger schrieb ich mir Worte in meine erste Bibel, die der große Gelehrte, Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal  in seinen Mantel eingenäht hatte. Da waren Worte zu finden, die  Ausdruck seines Bekehrungserlebnisses waren. Ich war beeindruckt davon, dass ein weltweit anerkannter Gelehrter so dachte und glaubte. Ein weiterer großer Mann des Geistes, Friedrich Nietzsche, schrieb über ihn: »der bewunderungswürdige Logiker«, (Quelle Wikipedia). Auf jenem Mémorial (Gedenkblatt) war unter anderem zu lesen: »Der Gott Abrahams, der Gott Isaacs und der Gott Jakobs, nicht der Philosophen und der Gelehrten.«
Wie oft sind solche Worte missverstanden worden; denn sie sollten sehr sicher nicht Worte gegen Philosophen und Gelehrte sein. Der Mann, der sie schrieb, war höchstselbst ein solcher. Und auch Paulus war ein hochgebildeter und gelehrter Mann, der sich zumindest im geschriebenen Wort sehr gewandt auszudrücken verstand. 
Jener Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott der weit über die Grenzen verehrten genannten Männer, ist kein Gott, der sich den Weisen erschloss und erschließen will. Aber warum nicht? 
Es sollte nicht die Denkleistung, nicht der IQ, nicht das Wissen zum Heil führen und sich nur wenigen erschließen; sondern der Gott der Barmherzigkeit, der Gott der unendlichen Gnade, der Gott, der die Liebe selbst ist will sich allen offenbaren, die ihn suchen, die ihn ernsthaft suchen. 
Und dies gilt für den Weisen wie den Nicht-Weisen, für den Wissenden wie den Nicht-Wissenden. Dieses Meer der Barmherzigkeit sieht das Herz an, nicht die Leistung, er sieht die wahre und lautere Absicht, nicht das Einhalten von Gesetzen und Regeln. 
Er nahm den Gelehrten Pascal an, da er in kindlichem Glauben und Vertrauen sich dem hingab, der ihn voller Liebe ansah. Er will auch Dich und mich so ansehen. 

19. Juni 2013

Verlaufen


In einem tiefen Lied von Johannes Falk (Verlaufen, Pilgerreise, © 2010 Falkland bei Gerth Medien) gibt es diese Zeile: »Ich will wieder in deiner Liebe eintauchen«.
Wie gut kenne ich diesen Moment, den der Sänger und Songschreiber da beschreibt. Wenn ich mich entfernt habe von dem, der mich liebt wie niemand sonst. Wenn ich mich wieder einmal verlaufe, obwohl ich mich doch schon so oft genau an der selben Stelle verlaufen habe. Wenn ich mich wieder habe bestechen lassen von Stimmen in mir, die mir den Himmel auf Erden versprechen, dabei führen sie genau in die andere Richtung. Und ich spüre Kälte und Ferne, weil ich auf Wegen unterwegs bin, die nicht Gottes Wege sind. Wie gut, wenn dann jene Sehnsucht auftaucht, wieder in seiner Liebe sein zu wollen. Wieder dort zu sein, wo ich ganz umgeben bin von Annahme. Wo ich bedingungslos geliebt bin. »Bleibt in mir«, sagt Jesus an einer Stelle in der Bibel. Und das dürfen wir ganz wörtlich nehmen, ganz bildhaft sehen und genau so erleben wollen. In ihm zu sein und in ihm zu bleiben ist das Mittel überhaupt, um nicht »irre zu gehen«, das Mittel, um sich nicht zu weit zu verlaufen. 
Wer Jesus nachfolgt, wer ihm sein Leben anvertraut hat und Jesus also Herr über dieses Leben ist, der beherbergt den Geist Gottes in sich, den Heiligen Geist. Dieser Geist Gottes führt uns nicht nur in alle Wahrheit, sondern verwandelt uns auch. Und wenn wir uns dann von diesem Geist leiten lassen - und möglichst ohne Unterbrechungen -, dann werden wir immer dichter dran sein an dem Weg, den er für uns vorgesehen hat. Wie das genau gehen kann, erklärt uns die Bibel so: »Da wir also durch Gottes Geist ein neues Leben haben, wollen wir uns jetzt auch auf Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen.« (Galater 5,25, NGÜ)

30. April 2013

Die Tür

Es gibt Türen, die sind und bleiben verschlossen. Es gibt solche Türen auch in meinem Leben. Niemals konnte ich durch sie hindurch gehen, auch wenn ich es noch so wollte, auch wenn ich mich noch so sehr danach sehnte, auch wenn ich mich noch so mühte.
Und auch wenn es seltsam klingen mag, so bereue ich es nicht. Heute sehe ich diese Türen und frage mich, warum es mir so wichtig gewesen war, dort hinein zu kommen. Jetzt würde ich keinen Finger mehr dafür rühren.
Daneben gab es Türen, bei denen es mir wirklich wichtig war, sie öffnen zu können. Es gelang mir und ich bin noch immer froh darüber.
Dann gibt es Türen, die sich wie selbstverständlich auftaten. Und ich ging einfach hindurch. Und wunderte mich, dass es so einfach gewesen ist. Und wunderte mich zudem, dass es mir so wichtig gewesen war.

Dann gab es noch eine Tür, die ich verschmäht habe. Irgendwann einmal hatte ich sie gesucht, sie wurde mir geöffnet und ich durfte eintreten und mich frei bewegen. Irgendwann ging ich wieder zurück, schloss die Tür und kam nicht mehr zurück. Immer einmal wieder erschien ich vor ihr. Dann sah ich sie, fand sie unansehnlich, nicht reizvoll. Und ich dachte etwas wie: es riecht nach Motten und alten Spinnweben. Was sollte mich dazu bringen, sie wieder öffnen zu wollen?

Sie schaut unansehnlich aus. Sie ist nicht schön. Sie mag auf den modernen Zeitgenossen verstaubt, von Vorvorgestern und gänzlich reizlos erscheinen. Auch auf mich wirkte sie so. Was sollte mich dazu bringen, dort um Einlass zu bitten? Wofür?

Niemals kann ich diese Gnade begreifen, dass mir, als ich nach fast dreißig Jahren wieder dort erschien, sie geöffnet wurde. Dass mir der Zugang nicht verwehrt blieb, sondern ein zaghaftes zitterndes Klopfen reichte. Es war nicht einmal das. Vielmehr reichte nur ein Wort, ein Wort, ein Name, der über allen Namen steht. Und die Tür öffnete sich. Aus ihr strömte und strömt noch jetzt eine Liebe, deren ich noch immer nicht gewachsen scheine.

»Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eintritt, wird er gerettet werden.«
Johannes 10,9 (NGÜ)


19. April 2013

Niemals hätte ich das erwartet. Wie hätte ich das ahnen können? Warum hat mich niemand darauf gebracht? 
Wie lange hatte ich gesucht. Wie lange nach Antworten gesucht und bekam immer nur Steine. Wie lange irrte ich innerlich umher. Solange bis ich auch äußerlich umherirrte und kein Zuhause mehr fand. Nicht in meiner Ehe, nicht in meinem Beruf, den ich geliebt hatte. Nicht in meiner Familie. Nicht in dem, was mir so viel bedeutet hatte. Nicht in der Kunst, nicht der Literatur.
Immer einmal gab es einen Wink, einen Hinweis. Aber nie liess ich mich darauf ein. Das kannte ich doch aus meiner Kindheit. Diesen Kinderglauben. Dass es einen Gott gibt, der auf mich sieht. Einen, der mich angeblich liebt. Wie sollte das gehen, wenn ich ihn nicht kannte, wie sollte er mich kennen können? 
Brennende Fragen. Keine Antworten. Nur Steine oder wirres Zeug, das mir keine Hilfe war. Irgendwelche Formeln, philosophische Systeme, bei deren Studium ich sofort ahnen konnte, dass ich mich selbst schon in kein System pressen kann und will. 
Wofür das alles? Was für einen Sinn hat dieser ganze Kram? Dieses durchs-Leben-quälen. Diese wenigen Wimpernschläge des Glücks konnten mich schon gar nicht befriedigen. Das sollte dann alles gewesen sein?
Wozu sollte ich leben? Nur um mir ein "Häusle bauen zu können", Kinder zu zeugen und zu erziehen - und am Ende allein in einem fast leeren Haus den Lebensabend abzusitzen, um irgendwann in einer Holzkiste unter der Erde zu liegen? 
Mich um Menschlichkeit, ja sogar Menschenrechte zu kümmern - und wieder zu sehen, dass dieses Ansinnen zwar gut ist, aber in einem Nichts endet? 
Wie hätte ich das ahnen können, dass es in dem zu finden ist, was ich als Kind verlassen hatte? 
Dass ich Brot bekommen kann und keine Steine? Und dass dieses Brot Leben bedeutet? Dass es eine Tür gibt, durch die ich gehen kann und muss nicht verloren gehen, sondern darf erst recht leben? Dass ich unendlich geliebt bin und man von mir weiß, mich so annimmt wie ich bin. 
Und spätestens da hätte ich wieder alles hinterfragen können. Wenn ich tatsächlich unendlich geliebt bin - wer kann unendlich lieben? -, wie sollte ich vor diesem "Unendlich", vor diesem "Ewig" erscheinen können mit all dem, was ich an Schuld auf meinem Rücken trug? 
Wie sollte ich durch diese Tür gehen können - mit dieser Schuld? Wie sollte ich da nicht zurückgestossen werden? Wie sollte mir da nicht ein "Nein" entgegen geschrieen kommen und alles wird und ist wieder sinnlos? 

Dieser "Unendlich", dieser "Ewig", dieser "Ewig-Vater" sagt durch seinen Sohn: 
»..wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.«

Er hat mich nicht hinausgestossen. Er wird auch Dich nicht hinausstossen. 


28. März 2013


Kunst ist für mich, wenn sie Teil meines Inneren wird. Wenn ihr Ausdruck tief verwoben wird und ist in meiner Gefühls- und Gedankenwelt, auch meines Alltags. Es sind vornehmlich Bilder, von denen ich in meinem inneren Menschen bevölkert werde. Bilder, die entstanden sind durch Worte, aber im Besonderen auch tatsächlich existierende Bilder, die mich beeindruckt haben, sodass sie Teil meiner Welt geworden sind. 
So begegnete mir dieser Tage in meinem Alltag ein solches Bild, vielmehr die Erinnerung an ein solches. Sofort war die Imagination da, sofort wurde verknüpft. Jedoch ohne den Versuch eines Abkupferns, einer Blaupause, vielmehr war da die gute Erinnerung an ein Bild, das ich, zuweilen ohne es zu merken oder zu wissen, in mir trage. Ein Bild eines Künstlers, den ich sehr verehre, dessen Werke mich immer wieder zutiefst berührt und beeindruckt haben. Ein Bild mit Namen »Betty« von Gerhard Richter stand mir sofort im Auge, im Sinn und wurde für einen Augenblick in mir nachgezeichnet. Das verfestigte sich noch, als ich späterhin die Aufnahme auf dem Bildschirm sah und ich sie spärlich nachbearbeitete. 
Die wenigen Interviews, die ich mit dem Künstler sehen konnte, machten es mir noch leichter sein Werk umso mehr zu schätzen. Seine nahezu demütige Art, sein sich-zurücknehmen, sein sich-nicht-so-wichtig-nehmen, seine Uneitelkeit (gibt es dieses Wort - und wenn nicht, dann ist es auch egal) waren mir mehr als angenehm. Und das bei einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Nun, darum ging es ja gar nicht, als ich das Bild imaginierte. Es war da und es bereicherte erneut meinen Alltag. Und wusch - frei nach P. Picasso - für einen Augenblick den Staub von der Seele. 

4. Februar 2013

Der Lyriker Hermann Hesse, dessen Gedichte mir sehr vertraut sind, schreibt: »Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.« 
Die Zeiten mögen sich hierin ändern, und möglicherweise wäre der durchaus allem Neuen nicht verschlossene Dichter auch ein E-Book-Leser. 
Seit geraumer Zeit schon lese ich Zeitungen nahezu ausschließlich auf diesen neuartigen Wegen. Die Zeitung von Gestern ist kein Thema mehr für mich. 
Bei Büchern hingegen sieht dies ganz anders aus. Ich profitiere in jeder Hinsicht von dem kränkelnden Büchermarkt. Warum? Weil das antiquarische Buch zu Spottpreisen zu erwerben ist. Das genieße ich in der Tat; wenngleich mir der Hintergrund, der dazu führt, schon bewusst ist und mir Sorge bereitet. Noch immer hoffe ich, dass die Buchpreisbindung nicht fällt. Es würde das Ende einer Bücherkultur in Deutschland bedeuten, die ich zutiefst bedauern müsste. 
Was mich derzeit wirklich interessiert und was ich an Buchmaterial benötige ist zur Zeit für mich so erschwinglich, dass ich es oft nicht fassen kann. Beinahe alles kann ich antiquarisch erstehen; und dies nutze ich in der Tat leidlich. Die Bücher, die ich lesen will und auch muss, würde ich niemals auf einem Kindle oder vergleichbaren Gerät lesen; denn ich arbeite mit den Büchern. Da wird angestrichen, unterstrichen, notiert und bearbeitet. Und wenn ich dann wieder auf der Suche nach solchen Fundstellen bin, ziehe ich das Werk aus dem Regal und werde sehr schnell fündig. 
Das kann mir auf Dauer (!) kein solches Gerät bieten. 
Und ich werde noch sehr lange oft und viel fündig werden - viel zu viel! Und ich werde mich auch immer wieder beschränken müssen und gerne beschränken auf das Buch der Bücher. 
Gerade lese ich Bunyans Pilgerreise und höre begleitend Johannes Falks gleichnamiges Konzeptalbum, das ich für das beste Album der letzten zehn Jahre halte. Bin erstaunt über diesen jungen Mann und sein großartiges Debütalbum. Welch eine geistliche Tiefe und was für ein großartiger Musiker! Sehr empfehlenswert: Johannes Falk, Pilgerreise

23. Dezember 2012

Dieses Jahr fliegt dahin, aber es geht mir nicht zum ersten Male so. Liegt es am Alter? Rennt die Zeit dahin, weil ich älter werde? Oder ist es ein Phänomen der Zeit in der wir leben, die gemeinhin als schnelllebig bezeichnet wird?
Wie auch immer: die Adventszeit ist fast vorbei, die vierte Kerze brennt schon, der Baum ist geschmückt, der Heilige Abend folgt dicht gedrängt. Und danach sehen wir schon sehr bald dem Ende des Jahres entgegen.
Aber was bleibt vom Advent, der sprachlich aus dem Lateinischen kommt und Ankunft bedeutet?
Bei mir persönlich bleibt seit vielen Jahren das, was für mich das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach zum vollkommenen Gottesdienst im Advent werden lässt: 

Fallt mit Danken, fallt mit Loben
Vor des Höchsten Gnadenthron!
Gottes Sohn
Will der Erden
Heiland und Erlöser werden..

Und so will ich es im neuen Jahr mit Charles Dickens halten, dem englischen Autoren des »Oliver Twist«, der schreibt: »Ich werde Weihnachten in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr hindurch aufzuheben.«
Und der selbe Charles Dickens schreibt auch: »Das Neue Testament ist das beste Buch, das die Welt je kannte oder kennen wird.« Und eben jenes lasse ich mir zum Fest schenken. Auch wenn ich schon zig Ausgaben habe, so ist dieses Neue Testament mit Psalmen eine letzte kleine Lederausgabe, die schon lange nicht mehr lieferbar ist. Wir haben sie antiquarisch erstanden und ich freue mich schon sehr darauf, sie im Sakko immer bei mir zu tragen. 
Allen Lesern und Besuchern meines Blogs wünsche ich gesegnete Weihnachten und einen guten Gang in ein neues spannendes Jahr!
Ihr/euer
jörg kassühlke


12. November 2012

Rätselhafte Bilder

Wir denken, dass wir die Wirklichkeit kennen. Da sie ja so klar abgebildet wird scheint eine Täuschung nahezu ausgeschlossen. 
Immer wieder denke ich daran, dass wir nur einen Bruchteil sehen können - und selbst dieser Bruchteil ist wie ein verwirrendes und rätselhaftes Bild. 
Uns wird in der Bibel gesagt, dass das Sichtbare vergänglich ist, aber das Unsichtbare ewig (2. Kor. 4,18). 
Das Unsichtbare ist unendlich, sicher auch unendlich weit und groß. Es gibt Momente in unserem Leben, in denen wir das erahnen können. Auch weil viele Menschen das Gefühl haben, dass es noch "etwas geben muss, das größer ist". Weil viele Menschen das Gefühl kennen, dass wir hier nicht ganz daheim sind - und es vielleicht ein Zuhause gibt, dass wir nicht kennen, aber uns dennoch danach sehnen. 
Liebe ist eines jener Phänomene, das uns erahnen lässt, dass es da noch mehr geben muss. Dass wir Menschen haben hergeben müssen und ahnen, dass sie noch leben, weil wir ihre Liebe noch spüren und erfahren. Wirkliche Liebe ist unendlich, ewig. Daran glaube ich. 
Und deshalb gibt es für mich auch kaum ein wichtigeres Dokument als das Hohelied der Liebe, das wir im 1. Brief des Apostel Paulus an die Korinther finden: Hohelied der Liebe
Einer der Verse, den ich besonders schätze und an den ich wieder einmal denken musste, lautet: »Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern; dann aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen;«

12. Oktober 2012

Klar sehen

Viele Jahre meines Lebens ging ich so oder so ähnlich durch die Welt. Ich konnte nicht klar sehen und hatte keinen echten Durchblick. Ja, ich kam wohl voran; aber oft konnte ich erst am Ende eines Weges sehen wohin er mich geführt hatte. Es war nicht immer, vielmehr: nicht auf allen Wegen so. Es war aber nahezu immer so, wenn es um Wege ging, die mein Leben, meine Existenz betrafen. Auf Wegen, die mich ganz persönlich etwas angingen; die mit Partnerschaft, Ehe, die mit Beruf und Berufung, die mit Leben und Tod zu tun hatten sah ich nicht klar und konnte kaum weiter als ein paar Meter sehen. Ich kam irgendwo an, am Ende eines bestimmten Weges und wurde immer wieder ent-täuscht. Gar nicht zwingend von Menschen oder Umständen. Oftmals einfach nur, weil nicht gut war, was dabei heraus kam. Es ging keineswegs um Perfektion, um Erfolg oder hohem Anspruch und dessen Entsprechung. Zumeist war es einfach nicht gut. Es war zum Beispiel menschlich nicht gut, was am Ende heraus kam. Es waren Enttäuschungen, Verletzungen im Spiel. Es kam am Ende allzu oft etwas dabei heraus, das ich so nicht wollte. Es kam dabei heraus, dass ich nicht so lebte, mich nicht so verhalten hatte, wie ich es mir von mir selbst gewünscht hätte. 
Es war nicht möglich vorherzusagen, dass am Ende eines Weges es »einfach nur gut« sein würde, was dabei heraus kommen könnte. 
Vielleicht ist es ein Problem, das grundsätzlich alle Wesen auf diesem Planeten haben? Wir suchen noch immer Propheten und wundern uns, dass sie uns nicht wirklich helfen können. Wo führt uns der Weg hin? Wie wird die Zukunft werden? Welchen Weg sollte ich einschlagen? Und vor allem Vorhersagen von etwaigen Ergebnissen und wirtschaftlichen Entwicklungen suchen viele Menschen - und gehen irre oder fehl. Gehen Experten auf den Leim, die es auch nicht wissen können. 
Das brauche ich auch gar nicht. Aber es war mein großer Wunsch, dass ich in den oben beschriebenen existenziellen Fragen meines Lebens auf Wegen gehen darf, die »gut« sind. 
Inzwischen brauche ich die Wege nicht mehr zu suchen. Es ist »nur noch« ein einziger Weg. Ein Weg, von dem ich weiß, dass er einfach nur gut ist. 
Er, der Weg, ist nicht gut, weil ich ihn gewählt habe. Er ist nicht gut, weil ich ihn gefunden habe. Er ist nicht gut, weil er die erste Wahl ist oder einfach nur ausgeklügelt. Er ist gut, weil dieser Weg Jesus Christus ist. Er sagt: »Ich bin der Weg« (Johannes 14,6) 

30. September 2012

Bin ich nur eine/r von vielen? Soll ich schreiben: nein? Ich bin einer von sehr sehr vielen, ganz sicher. Und vielleicht ist das für die eine oder den anderen nicht einfach. Wir würden gerne nicht nur einmalig sein, sondern als etwas besonderes gesehen werden. Aber bin ich denn »besonders«? Und für wen? Was muss ich tun, um besonders zu sein oder zu werden? Was kann ich alles dafür tun? Ist da etwa das Ziel des Lebens verborgen? Es zu schaffen, dass ich besonders werde und bin? Um aufzufallen zwischen all den anderen Milliarden? Damit ich es wert werde, dass man mich beachtet? Damit ich endlich Beachtung finde? Dass ich dahin komme, wie mein eigenes Denkmal zwischen all den anderen zu wirken? Ist das der Weg? Ist das das Ziel? 
Was ist, wenn das alles gar nicht nötig sein sollte? Wenn ich ohnehin geliebt bin - ohne all das? Wenn ich als einmalig und besonders angesehen werde? Und genau deshalb geliebt und angenommen bin? Was ist, wenn ich längst bedingungslos geliebt bin? Das heißt angenommen bin - wie ich bin. Ohne Wenn und Aber? Was ist, wenn das kein Scherz, sondern Wirklichkeit ist? Wenn ich angenommen, geliebt und besonders war, bevor ich überhaupt war? »Der tiefste Grund für unsere Zuversicht liegt in Gottes Liebe zu uns: Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.« (1. Johannes 4,19, NGÜ)



30. August 2012

Das hatten wir zwar schon einmal - aber jetzt aus gegebenem Anlass erneut; denn das »K« wird sich bald drehen...

10. August 2012

Es gibt Symbole, die nur für zwei Menschen bestimmt sind, vielmehr: deren Gehalt, deren Verknüpfung mit einem inneren Erleben nur diese zwei Menschen wirklich verstehen können. In einer Partnerschaft gibt es schon zu Beginn Bilder, Worte, Musikstücke und mehr, die nur diesen zwei Menschen einen verstehenden inneren Gleichklang geben können. Auch Orte können dazu gehören. Oder eben Bilder. Es ist nicht dieses Bild, sondern vielmehr jener Moment, der uns gemeinsam verbindet. 
Wir gingen um den See. Und wir waren einander noch immer fremd. Obwohl so viele Worte gesagt worden waren, obwohl schon so viel Verständnis da war, obwohl der Dialog schon so weit fortgeschritten war, dass wir dieses Treffen wagten, waren wir einander noch fremd. 
Auf dem Steg wurden wir umschmeichelt von der Schönheit des Ortes. Du zogst die Schuhe aus und kamst mit den Füßen kaum ins Wasser. Und es war ein Augenblick, der uns vertrauter werden ließ. 
Wir gingen weiter. An den Fischteichen entlang. Du gingst fast immer vor mir. Es fiel mir Deine Art zu gehen auf. Ich liebe Deinen Gang. Auf dem Weg um den See mussten wir uns ihm immer wieder nähern. Jeden Zugang nahmen wir wahr. Vielleicht um ihm näher zu sein, vielleicht um uns näher zu sein? Am Ende des Gangs mussten wir wieder verweilen; konnten nicht aufbrechen. Nie vergessen werde ich den Blick auf Deinen rechten Daumen. 
Es macht mich froh, dass wir einander immer näher kommen durften. Es macht mich glücklich, dass wir weiter gegangen sind. Zusammen. Bin stolz, dass wir den gemeinsamen Weg jetzt ganz gehen. 
Ich liebe Dich. 


2. Juli 2012

Auf der Suche nach Gott

Wenn ich auf der Suche nach Gott bin, wie sollte ich mich ihm nähern? Auf Knien? Sollte ich die Position einnehmen, die oft geistlichen Würdenträgern und auch Königen gegenüber eingenommen werden musste: flach auf dem Boden liegend, mit dem Gesicht zum Erdboden? 
Und bevor ich diese Position einnehmen darf - und tatsächlich in seiner Gegenwart mich aufhalten darf - wie habe ich mich darauf vorzubereiten? Welche Reinigungen habe ich vorzunehmen, auch innerliche Reinigungen? Ist eine wirksame Reinigung überhaupt möglich? Wenn ich das alles getan habe, bin ich dann würdig, ihm, dem Herrn der Welten, gegenüber zu treten?
Wird da nicht klar, dass ich tun kann, was ich will - es wird nicht reichen? Ist nicht jeglicher Versuch schon kläglich gescheitert, bevor ich meinen Gedanken abgeschlossen habe? 
Was aber - wenn es ganz anders ist? Wenn dieser Gott nur auf Dich wartet? Was ist, wenn dieser Gott liebe-voll auf Dich wartet? Wenn er es kaum erwarten kann, dass Du zu ihm kommst. Wenn es nur warmes Licht ist, das durch den Türspalt dringt - aus dem Raum heraus, in dem er, der liebende Herr, auf Dich wartet? Schon Dein Leben lang auf Dich wartet? 
Was ist, wenn es keine Rolle spielt, wie Du aussiehst? Wer Du bist, was Du angestellt hast? Wenn es keine Rolle spielt, welchen Namen Du trägst? Was ist, wenn in diesem Raum nur ausgebreitete Arme zu finden sind, die auf Dich warten? Wenn Du nichts erklären musst? Sondern einfach nur in diese Arme sinken darfst? Und glauben darfst, dass Du so geliebt bist - wie Du es nie gekannt hast? Niemals ahnen konntest, dass es eine solche Liebe überhaupt gibt? Eine solche Liebe, die Dich ohne Bedingungen annimmt? Wenn es reicht, dass Du seinen heiligen Namen nennst und glaubst? Um nicht verloren zu gehen, nicht mehr umherirren zu müssen? 

Was ist, wenn das die Wahrheit ist? Was ist, wenn Du das erleben darfst? Und Deine Suche endlich ein Ende hat? Was ist dann? 
Jesus sagt in Johannes 6,37 »Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.«

12. Juni 2012

Gemälde

Bisweilen wird einem unerwartet ein  Gemälde präsentiert, das einem nahezu den Atem rauben kann. Es waren nur wenige Sekunden, die blieben, um das Boot noch mit auf das Bild zu bekommen. So schnell konnte ich die Kamera kaum aus der Tasche holen, um die Szene genau so festhalten zu können. Aber auch wenn das Bild nahezu genau wiedergibt, was ich sah, so ist dieser eine Moment in der Wirklichkeit ein besonderer Moment des Erlebens gewesen, das kein Medium einfangen kann. Kein Film, kein Gemälde, kein Foto. Dieser friedliche Augenblick, diese Weite, dieser nie mehr wiederkehrende Moment bleibt sicher noch lange in mir präsent. 
Aber sicher scheint mir auch, dass dieses Medium, dessen ich mich hier bediene, das dafür geeignetste ist. Einen Augenblick, einen kleinen Moment in der Zeitengeschichte bildhaft festzuhalten - da gibt es nichts vergleichbares. Und es ist das, was ich an dieser kleinen schwarzen Maschine so liebe. Und mich noch immer fasziniert. Ich setze mein Auge am Sucher an, wähle Zeit und Blende und löse aus. Endgültig, nicht wiederholbar. Und meist halte ich es auch mit dem Meister aller Klassen, welcher der Überzeugung war, dass eine einzige Einstellung reichen sollte. Habe ich es erfasst, habe ich den Moment eingefangen, dann nicht erneut anpeilen, sondern weiter ziehen. Und ich erinnere mich gerade an diese Szenerie. Rieche den Duft des Grases, spüre den harten Boden des Aufstiegs zur kleinen Erhebung, spüre den sanften warmen Wind, der um uns streifte. Es bleibt nur noch, dass man umittelbar diesen Augenblick erlebte. Das Ummittelbare des Erfassens und Festhaltens dieses Momentes möchte ich aber auch niemals missen. 

28. Mai 2012

Das Zelt



Oft, zu oft wird den Christen vorgeworfen, dass sie sich selbst auf ein Jenseits vertrösten oder vertrösten lassen. Und ich denke dann oft an Heinrich Böll und auch Dietrich Bonhoeffer. Der eine, der auf die Frage, warum er an Gott glaube, dem Sinn nach antwortete: weil wir uns hier nicht ganz zu Hause fühlen. Als ich dies vor vielen Jahren las, sah ich für mich sofort, wie viel Wahrheit in diesen Worten des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers steckt. Und wie oft dieses Empfinden auch mit der Sinnfrage einher geht, die sich nach meiner Überzeugung jedem Menschen einmal in seinem Leben stellt. Wie oft habe ich mir in früheren Zeiten diese Frage gestellt. Schon als junger Mensch beschäftigte ich mich mit ihr; verbunden mit der Frage nach dem Tod. Was soll das alles? Ist es nicht auch ungerecht, dass wir uns als Persönlichkeiten ein ganzes Leben lang bilden, um dann ins Nichts zu gehen?
Wie viele Menschen sind mir in meinem Leben schon begegnet, die zwar nicht an einen Christus glauben können oder wollen, aber daran dass nach dem Tode »nicht alles aus« sein kann. Dass hinter all dem ein Licht leuchtet, ein ewiges Licht brennt, von dem viele nur ahnen können, was es damit auf sich hat. Andere hingegen mit einer Sicherheit davon sprechen, dass es einem den Atem verschlägt.
Und dies sogar im Angesicht des bevorstehenden Todes: Dietrich Bonhoeffer, als er im KZ Flossenbürg an den Galgen geführt wurde, sagte: „Dies ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens."
Und auch wenn Tod und Sterben aus unserem Alltag verschwunden und geradezu herausdividiert worden sind, so gehören sie zum Leben dazu. Und wir wissen das alle, selbst Kinder wissen davon. Und auch wenn die guten alten Zeiten oft alles andere als gut waren, so ist das Sterben und der Tod in der Familie der früheren Zeiten besser aufgehoben gewesen. Viel von seinem Schrecken wird ihm zu früheren Zeiten schon da genommen worden sein.
Aber als ich dieses Motiv in der Stadt sah, an einem warmen Vormittag, da musste ich vor allem an ein Wort aus dem 2. Korintherbrief denken: »Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.« (2. Korintherbrief 5,1)

24. Mai 2012

Im falschen Mittelpunkt


Manchmal steht man vielleicht im Mittelpunkt und will es gar nicht. Wollte das nie. Das Spotlight direkt auf mich gerichtet, und es fällt schwer, die anderen um mich herum überhaupt noch zu erkennen, so sehr blendet das Licht. Bisher war ich zwar auch mitten drin, aber nicht so. Nicht ein solcher falscher Mittelpunkt, der ich gar nicht sein will.
Und schon will ich mich ducken. Und schon auch behaupten. Und schon ist im grellen Licht jede Falte zu sehen. Werden Dinge an mir, vielleicht sogar in mir nicht nur sichtbar gemacht, sondern aufgepumpt wie ein weißer Ballon, der immer größer zu werden und schon bald zu platzen droht. 
Wenn selbst in den Kreisen, in denen ich mich sicher oder gar geborgen fühlte, es unsicher für mich wird. Wenn selbst da, wo ich mich eigentlich respektiert und angenommen wusste, plötzlich Zweifeln entstehen und mir Halt verloren geht. Wenn die Mauer, die mich abgrenzt, nun einen falschen und scheinbaren Schutz bietet - wo finde ich dann noch Halt? Wo hin sollte ich gehen?
»Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob«, heißt es in Römer 15,7.
Wie hat uns Christus angenommen und wie nimmt Er uns noch heute an?
So wie wir sind.
Wenn alles weg bricht; wenn jeder Halt zu fehlen scheint, dann gibt es aus meiner Sicht nur noch den einen Weg: geh zu Jesus. Wie solltest Du das tun? Wie kommst Du da hin? Wie weit ist der Weg zu Ihm? Es ist der kürzeste Weg: nenne nur Seinen Namen, seinen heiligen Namen. Und Er ist da. Und hört Dich. Und gibt Halt. Kein Felsen, auf dem Du stehen könntest, steht fester und unerschütterlicher. 

3. Mai 2012

Hängend


Gibt es eigentlich etwas, woran ich hänge? Nun, ganz sicher. Zum Beispiel der Apparat, mit dem ich das Bildchen gemacht habe, das ich hier zur Schau stelle. Und noch so ein paar andere Dinge, welche teilweise für diese Welt keinerlei Bedeutung haben mögen, aber für mich selbst schon. Also eben einen so genannten »ideellen Wert« haben. Ein paar Bücher beispielsweise. Es gibt Bücher, die einen Wert auch auf dem Markt haben, aber mir nahezu nichts bedeuten. Andere jedoch gar keinen Wert (vielleicht ein paar Cent), aber mir in der eigentlichen Bedeutung lieb und »teuer« sind. Eines dieser Bücher ist aus dem Nachlass meines Vaters. Es ist das für mich persönlich - neben meiner Bibel - wert-vollste Buch. Es fällt langsam auseinander, trägt zig Lesezeichen, ist drei Monate nach meiner Geburt ein Geschenk meiner Großmutter an meinen Vater gewesen - und ist mir für das, was ich gerade tue, zum Segen geworden wie kaum etwa anderes. 
Aber den ersten Satz kann man auch ganz anders verstehen. Gibt es Dinge, an denen ich hänge - und sie gerne loswerden möchte? Hänge ich an etwas, das mich schlicht unfrei macht? Das mich davon abhält, endlich weiter zu ziehen, weiter zu fahren, um neue Ufer erreichen zu können? 
Es gibt Dinge, auch und wohl auch gerade aus der Vergangenheit, die mich binden und unfrei machen können. Freiheit ist nicht nur ein Begriff, der dem obersten Haupt unseres Landes etwas bedeutet. Mir sind die »Kirschen der Freiheit« schon als junge Seele unbedingt schützenswert gewesen und sind es geblieben.
Aber frei, innerlich frei geworden bin ich erst, als ich mich selbst aufgegeben habe. Um mich dann nicht neu zu gewinnen, sondern zum Eigentlichen zu finden. 

»Nur wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.« (Johannes 8,36, Neue Genfer Übersetzung)

17. April 2012

Weiten

Es gibt Zeiten, in denen wir einfach Weite brauchen und die Enge uns den Atem raubt. Es gibt Zeiten, in denen wir den Mief der eigenen vier Wände nicht mehr ertragen; vielleicht auch Zeiten, in denen wir den Mief in uns selbst nicht mehr ertragen können. Und manchmal müssen wir einfach nur die Lungen füllen, um wieder atmen zu können. Der Prediger der Prediger C. H. Spurgeon empfahl seinen Schülern: »Ein kräftiger Schluck Seeluft oder ein tüchtiger Spaziergang im Wind füllt zwar nicht die Seele mit Gnade, aber doch den Körper mit Sauerstoff, was das Nächstbeste ist.« Und man/ich denkt(e) sofort an "die gute alte Zeit", in der wir nur draußen waren als Kinder. Mein Bruder und ich liefen stundenlang durch den Wald. Wir spielten auf Wiesen, wir spielten in Gräben, wir spielten in kleinen Bächen, wir waren unfassbar viel draußen. Und in den "neuen Bundesländern" konnte ich oft Kinder noch so spielen sehen - wie wir es damals durften.
Und wenn ich es dann endlich einmal geschafft habe, den Schreibtisch zu verlassen, um den Körper mit Sauerstoff zu füllen, dann staune ich nicht nur darüber, wie gut es mir getan hat. Sondern wie schön und weit auch in meiner Nähe die Welt ist, die ich oft nur von meinem Fenster aus sehe und an ihr vorbeirausche, weil ich ja so dringend von A nach B muss.
»Wie zahlreich sind doch deine Werke, Herr, alle hast du mit Weisheit ausgeführt, die Erde ist erfüllt von dem, was du geschaffen hast! Da ist das Meer, schier endlos groß und weit..« Psalm 104, 24/25 (Neue Genfer Übersetzung)
Das Bild ist vor vielen Jahren in der Bretagne entstanden, noch mit einer analogen Leica M. In einer Gegend, die auch als das Ende der Welt bezeichnet wird.

12. März 2012

Leben

Endlich kommt ganz sichtbar wieder Leben in die Natur. Und so treibt es mich in die Nähe »meines« Waldes, an dem ich im letzten Jahr so einige Male entlang gezogen bin. Auch sind viele Vögel wieder im Lande und sorgen mit ihren Stimmen für eine bessere Stimm-ung in mir. Und sogar Licht ist an diesem Tage ausreichend da - und was dies in mir macht, das kann ich kaum in Worte fassen. Es wirkt auf mich, als sei die Nacht vorbei und endlich wieder Tag...

10. März 2012

Schüsse aus der zweiten Reihe

So wenig Zeit, einfach einmal mit der Kamera um die Häuser zu streifen. Und so blieb gerade nur bei einer Besorgung in der Stadt ein kurzer Moment, als ich die M um den Hals baumeln hatte, um aus der Hüfte einen Schuss zu wagen. Es wird Zeit, dass endlich etwas mehr Licht auf die Straßen kommt und auch etwas Raum und Lust da ist, um vom Schreibtisch nach Draußen zu fliehen. Werde mir in den nächsten Wochen diese Zeit suchen und einfach nehmen; mein Entschluss ist da. Dann hoffentlich keine "Schüsse" mehr - und kein Fotospam - ich gelobe es...

5. Februar 2012

Rose unter den Dornen

Schon als Kind erstaunte es mich, dass eine Blume, der man die Wurzel abschneidet, weiterleben kann. Besonders bei Schnittblumen bewunderte ich dies. Zu unserem besonderen Tag hatte ich meiner Beate eine Rose mitgebracht. Sie erfreute uns ganze 18 Tage lang; aber heute senkte sie ihr Haupt. Noch immer sieht sie schön aus, hat aber wohl endgültig ihr Leben ausgehaucht.
Als Kind und Jugendlicher sah ich keine Rosen, ich nahm sie gar nicht wahr. Für mich waren die einzigen Blumen Gänseblumen und vor allem aber Sonnenblumen. Meine Mutter erzählte mir oft, dass ich als Kind vor den Sonnenblumen in unserem Garten stand, strahlte und sagte, dass Blumen so ausschauen müssen. Späterhin liebte ich die weißen Rosensträucher im Garten meiner Eltern. Wir standen oft am Fenster, auch mein Vater, und erfreuten uns an ihnen. Und als Erwachsener liebe ich nun Rosen wie mein Vater sie liebte.
Aber diese Rose hat besonders etwas mit uns zu tun und mit ihr, meiner Geliebten. Und ich musste an ein Wort aus dem Hohelied Salomos denken: »Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.« (Luther, 1912) Ja, Du bist mir die Rose unter den Dornen.

20. Januar 2012

Geburtstage, die keine sind

Es gibt Geburtstage, die eigentlich keine sind und einem vielleicht mehr bedeuten als ein solcher Ehrentag.

Vor drei Jahren lernte ich einen Menschen kennen, der mir sehr viel bedeutet. Der mein Leben ziemlich durcheinander gebracht, vor allem aber bereichert hat. Es ist inzwischen unmöglich für mich, mir dieses Leben ohne ihn vorzustellen. Dieser Mensch hat einen wichtigen Teil meines Herzens erobert wie nie jemand zuvor.

Sie gehört zu mir - wie Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin, obwohl ich sie erst drei Jahre kenne. Sie findet mein Ohr wie niemand zuvor. Aber auch ich finde in ihr den Menschen, dem ich alles sagen will.

Es begann mit ein paar Zeilen, ging über in schier endlose Telefonate, welche die Beteiligten in Erstaunen und nicht nur in Verzücken versetzten.

Dieser Dialog findet kein Ende. Wir haben uns über das Wort kennen und lieben gelernt. Und ich danke meinem Gott für dieses unfassbare Geschenk, das er mir mit ihr gemacht hat. Dieses endlose Gespräch zwischen ihr und mir möge niemals enden. Und vielleicht versteht sie mich mehr als je ein Mensch vor ihr.

Sie ist mir eine Freude. Und es gibt keine Begegnung mit ihr, auf die ich mich nicht freue.

Es ist mein größter Wunsch, dass wir Hand in Hand weiterziehen. Und uns auf den heilenden Gott verlassen, der uns zusammen geführt hat. Dann wird Licht auf den Wegen sein, die wir nicht kennen - er aber für uns bereitet hat. Mein geliebter Schatz, lass uns auf dem Weg niemals aufhören miteinander zu sprechen.....

31. Dezember 2011

Neuland

Aufbruch in ein neues Jahr....
Bei mir überwiegt noch die große Dankbarkeit für ein unfassbares Jahr, das hinter mir liegt.
Vor dem Jahresschluss am Abend noch ein letzter Gottesdienst. Auf der Fahrt dort hin wurde mir klar, was geschieht, wenn man Gott beim Wort nimmt.
Die Führungen in den letzten 365 Tagen sind kaum überschaubar.... auch kaum fassbar, wie barmherzig und treu dieser Gott ist.
Mehr und mehr nehme ich mir vor, Ihn beim Wort zu nehmen. Und bin gespannt, was noch alles daraus entstehen wird. In diesem neuen und spannenden Jahr....
allen Wegbegleitern in Gelnhausen, in Darmstadt und Bad Homburg und in Aschaffenburg wünsche ich einen guten und gesegneten Gang in das neue Jahr. Danke für alle Hilfe, alle Unterstützung, für die so wichtigen Gebetsunterstützungen....
allen Freunden, vor allem Foto-Freunden in der Nähe und der Ferne danke ich für die Unterstützung meiner fotografischen Projekte... ohne all das hätte es »Altersbilder« und mehr nicht gegeben.... - wünsche euch Licht für eure Fotomaschinen und in eure Herzen...
meiner Familie im Norden und auch meiner »neuen« Familie im Raum Groß-Gerau, Mörfelden, Australien - und meiner Gemeinde in Bayern für das Ende des Jahres und den Neubeginn vom Höchsten das Beste....
herzlich,
Ihr/euer
j. kassühlke

17. Dezember 2011

Weihnachten

Ich mag den Ausdruck, dass da »der Himmel die Erde berührt« nicht sonderlich. Jedoch bei dem, das wir in einer Woche feiern werden, trifft dies ganz zu. Es kündigte sich bereits am Firmament an. Nichts hat auf dieser Erde solche Spuren hinterlassen. Es gab und gibt kein vergleichbares Ereignis. Der allmächtige Gott sendet seinen Sohn. Und lässt ihn Mensch werden. Die Grenze zwischen Himmel und Erde wird aufgehoben für jene, die daran glauben wollen. Gott bietet Versöhnung und ist gnädig.

Wenn, angeblich in seinem Namen, auch ganz furchtbare Dinge geschehen sind; so mag ich mir diese Welt ohne Advent nicht vorstellen. Advent bedeutet »Ankunft«. Gott kommt. Auf diese Erde. Welche Gnade.

Heinrich Böll schreibt: »Wie sähe die Welt aus, hätte sich die nackte Walze einer Geschichte ohne Christus über sie hinweg geschoben.«

Den Lesern meines Blogs wünsche ich einen friedlichen 4. Advent und gesegnete Weihnachten.

Ihr/euer Jörg Kassühlke

29. November 2011

Stolpern?

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Ende des Jahres. Ist es ein Zeichen des Älterwerdens, dass man den Eindruck bekommt: die Zeit fliegt dahin? Geht es nur mir in diesem Jahr so, dass es wie in wenigen Wochen verflogen scheint? Oder ist es immer dann so, wenn viele Dinge geschehen, viele Entscheidungen getroffen, viele Wege sich geöffnet und andere sich verschlossen haben? Wie kann ich wissen oder sicher sein, dass der gewählte Weg ein guter ist? Kann ich mit Taktik, mit tiefen Überlegungen, Recherchen und Mühen sichern, dass ich auf einem verlässlichen Weg voran komme?
Wie viele Menschen suchen Rat in dieser Frage. Befragen Menschen, welche die Zukunft zu kennen meinen. Von immer mehr Menschen lese und höre ich, dass sie Rat bei Verstorbenen suchen, zu denen Mittler den Kontakt aufnehmen. Immer mehr suchen Sinn, Rat und Hilfe im immer größer werdenden Meer der Esoterik. Immer häufiger verstricken sich Menschen in einem Dickicht, der nur immer undurchsichtiger erscheint und mehr Fragen als Antworten gibt.

In diesem Jahr blicke ich zurück und sehe vor allem eines: Licht. Licht, das mir den Weg gewiesen hat. Licht, das Licht in mein Herz brachte und noch immer bringt. Licht, das auf Wegen zu finden war, um mir zu leuchten. Licht, das mich immer weiter weg führte von der Finsternis. Licht, das mir die Gewissheit gab und gibt: »Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Er bewahrt deine Füße vor dem Stolpern; er, dein Beschützer, schläft niemals. Ja, der Beschützer Israels schläft und schlummert nicht! Der Herr behütet dich, der Herr spendet dir Schatten und steht dir bei, damit dich am Tag die Sonne nicht sticht und in der Nacht der Mond dir nicht schadet. Der Herr wird dich behüten vor jedem Unheil, er bewahrt dein Leben. Der Herr behütet dich, wenn du gehst und wenn du kommst – jetzt und für alle Zeit.« (Psalm 121, Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen, Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft)

6. November 2011

Kontemplativ

Meine erste Begegnung mit Leica ist lange her. Wie lange wollte ich eine schwarze kompakte und lichtstarke Kamera haben, die immer dabei sein sollte. Nicht mehr nur der Lowe-Sack auf dem Rücken, sondern Beschränkung auf das Wesentliche. Möglichst eine M und ein 50mm. Das wäre es gewesen. Aber für mich damals nicht erschwinglich. Für Aufträge und mehr war ich sehr früh schon in der digitalen Fotografie gelandet; genau genommen 2002, als ich mir die Nikon D100 bestellte ohne sie überhaupt in den Händen gehalten zu haben. Eine Leica hatte ich immer im Hinterkopf, aber nie konnte ich diesen Traum umsetzen. Für meine Aufträge konnte ich deshalb nicht analog arbeiten, da es für mich zu teuer geworden wäre. Und für die Aufträge, die ich übernahm, war dieser Weg zu langsam, zu teuer und auch nicht nötig, da die meisten Bilder ohnehin im World Wide Web landeten.

So wurde es zunächst eine Minilux. Diese kleine Schönheit hatte ich mir gebraucht erstanden, und sie lag immer in der Mittelkonsole, wenn ich unterwegs war. Damals war ich in Hamburg unterwegs und sah ein interessantes Motiv direkt über einer Brücke. So zog ich die Kleine hervor und machte mein Bild aus dem fahrenden Wagen heraus. Viele Jahre begleitete mich dieses Bild und war für mich Ausdruck einer Fotografie, die ich immer suchte und noch immer suche. Noch in meinem Atelier in Gelnhausen stand das Bild lange über meinem Arbeitsplatz; vielleicht erinnert sich noch der eine oder die andere….

Eines Tages dann erbte ich eine M6. Diese schwarze Schöne hingegen veränderte mein fotografisches Sein. Sie nahm ich in die Hand und mir war, als hätte sie schon Jahrzehnte dort verbracht. Ausgestattet mit einem 50er Summicron fand ich eine Kombination, die für mich wie eine Offenbarung erschien. Niemals werde ich Astrid und Peter vergessen, was sie damals für mich getan haben. Es ist nicht nur irgendeine »Traumkamera« gewesen, sondern hat meine Sicht auf die Welt verändert. Diese Art des kontemplativen Fotografierens, wie ich es einfach nennen möchte, ist nicht nur wichtig gewesen für meine Fotografie. Tatsächlich das, was ich im Sucher sehe, letztlich auf dem Papier zu haben. Das Geräusch des Tuchschlitzverschlusses. Für einen Moment die Welt durch eine Kamera hindurch zu sehen. Die Kompaktheit und die Schönheit dieser Kamera. Das Alles hatte und hat etwas nahezu magisches für mich noch heute.

Gestern wurde ich erinnert an diese erste Zeit. Nur mit M9 und 50 mm unterwegs. Wieder jenes besondere Licht. Eine Taubenschar, die über dem Luisenplatz in Darmstadt kreist. Jener Blick nach oben. Kaum Zeit für Blende, Zeit und Schnittbild. Ausgelöst. Es geht noch immer. Jenes Gefühl des Einsseins für einen Augenblick. Einssein mit dem Motiv, der Kamera, der Brennweite. Und mir scheint, dass dies für mich nur mit jenem Instrument geht.

19. Oktober 2011

Oberleitung

Besonders in dieser Zeit, in der es mit großen Schritten auf den November zugeht, braucht der Mensch Licht. Und wie sollte es in diesem Blog nicht auch um jenes Licht gehen, in dem die stehen und sich bewegen dürfen, die Ihm nach-folgen. Ihm, dem Mann aus Nazareth. Der Weg, auch Dein Weg, der Wahrheit, auch Deine Wahrheit, der Leben, auch Dein Leben sein will. Aber was ist es denn eigentlich, das dieses Nachfolgen ausmacht und was muss ich tun, um nicht mehr in der Finsternis zu gehen? Wie finde ich diese Leitung zum Herrn des Himmels und der Erde? Was muss ich tun? Welche Prüfungen muss ich bestehen, welche Opfer muss ich bringen, was muss ich erklimmen, um da oben Anteil am Licht zu haben?
Ich muss nicht nach »da oben« kommen. Er, der Sohn Gottes, kam herab. Und ist hier. In denen, bei denen, die sich Ihm anvertrauen, mit allem, was sie haben. Noch einmal: was muss ich tun? Seinen Namen aussprechen
und glauben. Jesus. Nur dieses eine Wort, diesen einen heiligen Namen. Wir müssen keine Leiter erklimmen und auf jeder Sprosse, die wir erreichen eine weitere Prüfung bestehen, um im Licht sein zu können. Wir müssen nicht nach oben. Wir dürfen glauben. Und dann im Licht sein. Und nicht mehr in der Finsternis. Wir dürfen dann sogar selbst Licht sein. Noch immer kann ich dieses Geschenk kaum begreifen. Ist es wirklich so? Muss ich wirklich nicht mehr tun als »nur« glauben und Ihm folgen? Auch daran will ich glauben.
»Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid.« (Eph. 5,8, NGÜ)

7. Oktober 2011

Suche nach dem Selbst

Künstler sind Individualisten; sie müssen es geradezu sein. Und nicht nur bei dieser besonderen Gattung Mensch bedeutet dies zunächst und vor allem die Suche nach dem eigenen Ich. Wer bin ich eigentlich? Wo komme ich her? Wo stehe ich? Wohin gehe ich? Hermann Hesse schrieb einmal, dass er 50 Jahre werden musste, um die ersten Wochen erleben zu können, in denen er nicht an Freitod dachte. Ist das die Kehrseite eben jenes Individualismus? Und lässt sich das nicht auch auf einen weiteren Nenner bringen - die Suche nach dem Sinn? Ist diese Frage nicht uns allen gegeben – und gehört es nicht bei jungen Menschen zur Findung nahezu unvermeidlich dazu? Nichts gehört – neben der Freiheit – zu meinem Leben so untrennbar dazu wie eben jene Suche nach dem Selbst. Sie war schmerzlich. Und ich musste mich selbst verlieren, um mich zu finden; und das ist für den Individualisten der schwerste Schritt. Und da wir immer mehr eine Gesellschaft von Individualisten werden und vermutlich schon fast sind, ist diese Frage nicht mehr nur eine des Künstlers, wie mir scheint. Mich selbst konnte ich nicht finden. Und ich musste mich verlieren. Wir gehen den letzten Schritt zum eigentlichen Selbst, wenn wir Gott gefunden haben. Wenn ich abnehmen muss, damit Gott zunehmen kann. Das erschreckte mich; denn wenn ein Individualist sich aufgeben soll, dann wehrt sich der ganze Mensch. Aber niemals werde ich das Glück vergessen, endlich erfüllt zu sein und anzukommen. Was beileibe nicht Stillstand bedeutet, sondern genau das Gegenteil. Es ist Bewegung, Vorangehen, Weiterkommen und Wachsen. Und es ist nicht mein Tun, auf das ich stolz sein könnte. Wir werden verwandelt und zu dem Bild, dem Ebenbild, das eigentlich gedacht war. »Einst, als ich noch ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, ich fühlte und dachte wie ein Kind. Als ich dann aber erwachsen war, habe ich die kindlichen Vorstellungen abgelegt. Jetzt sehen wir nur ein unklares Bild wie in einem trüben Spiegel; dann aber schauen wir Gott von Angesicht. Jetzt kennen wir Gott nur unvollkommen; dann aber werden wir Gott völlig kennen, so wie er uns jetzt schon kennt.« 1. Korinther 13, 11-12, Gute Nachricht