2. Dezember 2008

Freund

Vor vielen Jahren, als mein Vater noch lebte, schrieb ich ihm einen Brief. Ihm scheinbar zur Beruhigung, mir zur Erklärung und Rechtfertigung. In diesem Brief beschrieb ich ihm mein ambivalentes Verhältnis, das ich zu Glauben, Kirche, Gemeinde und mehr hatte. Meine Mutter gab mir diesen Brief lange nachdem mein Vater nicht mehr da war. Sie sagte mir, dass er geweint hatte als er ihn las und das nicht nur einmal. Nun war dies nichts außergewöhnliches und vielleicht würde es ihn trösten, dass es seinem jüngsten Sohn inzwischen, diese Schwäche betreffend, ähnlich geht. Aber ich nahm meinen Brief an ihn in die Hand. Und in ihm schrieb ich, dass ich Gemeinde und Gottesdienst nicht brauche; denn Bach zu hören sei für mich der vollkommene Gottesdienst. Er hatte, mit seinem für ihn typischen roten Stift ein großes "Ja" daneben und ein Ausrufungszeichen dahinter geschrieben. Leider kann ich ihn dafür jetzt nicht in den Arm nehmen und vermutlich ist es auch besser so; denn dann müsste meine Mutter zwei weinende Männer ertragen. Nicht nur, weil mein Verhältnis zu Glaube, Kirche, Gemeinde und Gott ein anderes geworden ist, sondern weil sich an meiner Aussage, die mein Vater markierte hatte, nichts geändert hat. Bach in dieser Zeit zu hören ist vollkommener Gottesdienst. Und speziell für meinen Freund Markus habe ich dieses hier herausgesucht. Lieber wäre es mir, wenn wir zwei das live erleben könnten oder es zumindest in besserer Qualität daher käme, aber daran arbeite ich noch, mein Guter... speziell für meinen Freund Markus

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