6. Januar 2009

Allee

Er fuhr die dunkle Allee in der Nähe von Chalabre entlang. Der Kühler machte Probleme, er musste die Geschwindigkeit drosseln, damit er nicht zu heiß wurde. Die ganze Zeit lag ihm ein Wort auf den Lippen, das er dann leise aussprach, damit er ihm irgendwie den bitteren Zauber nehmen konnte: betäubt. Überhaupt hatte er in den vergangenen Tagen immer wieder beobachtet, dass er mit sich selbst sprach. Und wenn er es feststellte, dann dachte er auch immer gleich daran, dass er vielleicht mit Gott sprach. Es war niemand da, seit mehr als drei Wochen niemand in seiner Nähe. Entweder begann er, langsam seltsam zu werden oder es musste eben einfach heraus, was da in ihm schwelte. Seinen guten Wagen hatte er verkaufen müssen, bevor die Bank ein gerichtliches Mahnverfahren einleitete. Freunde hatten ihm einen alten Wagen geschenkt, der aber kurze Zeit später den Geist aufgab. Wenige Tage später wurde ihm ein ähnlicher kleiner Peugeot angeboten, der kaum zweihundert Euro kostete. Er kratzte die letzten Cent zusammen, um den Wagen zu nehmen. Er lief etwas besser, hatte aber auch einige Macken. Darunter eben der Kühler, der sich immer wieder zu sehr erhitzte. Er hatte zwar eine gute und günstige Werkstatt in der Nähe, aber im Moment einfach kein Geld für eine Reparatur. Noch vor Monaten war er immer guter Dinge gewesen, erkennbar, sichtbar guter Dinge. Er war nicht wirklich schlechter Dinge geworden. Aber es gab einfach Momente, in denen auch seine scheinbare Regungslosigkeit Bände sprach. Dies war einer dieser Momente. Die alte Cassette mit Miles Davis begann im Rekorder zu eiern. Die Wolken über den Wipfeln der Bäume wirkten schwarz. Obwohl er die Geschwindigkeit immer weiter reduzierte, stieg die Temperatur des Kühlwassers bedrohlich. Sicher hätte er auch über diese Dinge regungslos hinweg gehen können, wenn.. Ja, wenn. Er hielt an. Am Straßenrand. Zwischen zwei Bäumen der Allee, die er zur Hälfte durchfahren hatte. Heftiger als sonst schlug er die Wagentüre von außen zu. Und ging mit einer Zielstrebigkeit in das Feld, die selbst ihn erstaunte. Als hätte er etwas holen müssen. Irgendwo blieb er stehen. Irgendwo stoppte die aufstrebende Bewegung seines Kopfes. Irgendwo hielt er auf der dunklen Karte des Himmels inne. Irgendwo öffnete er die Augen. Irgendwo.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

ja wo denn jetzt?

P.S.
ja ja, die Franzosen und ihre Kühler