28. Mai 2012

Das Zelt



Oft, zu oft wird den Christen vorgeworfen, dass sie sich selbst auf ein Jenseits vertrösten oder vertrösten lassen. Und ich denke dann oft an Heinrich Böll und auch Dietrich Bonhoeffer. Der eine, der auf die Frage, warum er an Gott glaube, dem Sinn nach antwortete: weil wir uns hier nicht ganz zu Hause fühlen. Als ich dies vor vielen Jahren las, sah ich für mich sofort, wie viel Wahrheit in diesen Worten des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers steckt. Und wie oft dieses Empfinden auch mit der Sinnfrage einher geht, die sich nach meiner Überzeugung jedem Menschen einmal in seinem Leben stellt. Wie oft habe ich mir in früheren Zeiten diese Frage gestellt. Schon als junger Mensch beschäftigte ich mich mit ihr; verbunden mit der Frage nach dem Tod. Was soll das alles? Ist es nicht auch ungerecht, dass wir uns als Persönlichkeiten ein ganzes Leben lang bilden, um dann ins Nichts zu gehen?
Wie viele Menschen sind mir in meinem Leben schon begegnet, die zwar nicht an einen Christus glauben können oder wollen, aber daran dass nach dem Tode »nicht alles aus« sein kann. Dass hinter all dem ein Licht leuchtet, ein ewiges Licht brennt, von dem viele nur ahnen können, was es damit auf sich hat. Andere hingegen mit einer Sicherheit davon sprechen, dass es einem den Atem verschlägt.
Und dies sogar im Angesicht des bevorstehenden Todes: Dietrich Bonhoeffer, als er im KZ Flossenbürg an den Galgen geführt wurde, sagte: „Dies ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens."
Und auch wenn Tod und Sterben aus unserem Alltag verschwunden und geradezu herausdividiert worden sind, so gehören sie zum Leben dazu. Und wir wissen das alle, selbst Kinder wissen davon. Und auch wenn die guten alten Zeiten oft alles andere als gut waren, so ist das Sterben und der Tod in der Familie der früheren Zeiten besser aufgehoben gewesen. Viel von seinem Schrecken wird ihm zu früheren Zeiten schon da genommen worden sein.
Aber als ich dieses Motiv in der Stadt sah, an einem warmen Vormittag, da musste ich vor allem an ein Wort aus dem 2. Korintherbrief denken: »Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.« (2. Korintherbrief 5,1)

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